PROJEKT

Rückblick


Im Dreieck Scuol – Landeck – Mals bestehen schon seit rund 100 Jahren Pläne zum Bau von Bahnverbindungen. Bereits vor dem ersten Weltkrieg hatte die RhB Pläne für eine Weiterführung der Unterengadiner Strecke von Scuol nach Pfunds (ca. 31 km). In Scuol wurde deshalb für eine mögliche Weiterführung der RhB-Linie bereits 1914 die rund 200 m lange „Tirolerkurve" gebaut. Die Vinschgaubahn wollte einen RhB-Anschluss in Pfunds an die ebenfalls geplante Reschenbahn von Mals nach Landeck im österreichischen Tirol.

Das Amt für Energie und Verkehr (AEV) des Kt. GR liess in den Jahren 2006-10 innerhalb der INTERREG-III-A resp. INTERREG-IV-A-Programmen zwei Machbarkeitsstudien für eine Bahnverbindung vom Unterengadin ins Obervinschgau erarbeiten.

2009 warb ein internationales Aktionskomitee Engadin – Vingschau – Bahn für eine Bahnverbindung zwischen dem Engadin und dem Vinschgau, welche die Ausarbeitung eines konkreten Bahnprojektes wollte, welches die relativ kleine Lücke im Bahnnetzt zwischen der Schweiz und Südtirol geschlossen werden. Das damalige Komitee stützte sich dabei auf das Interreg-III-A-Projekt.

Die Regierung beschloss am 9. März 2010 (RB Protokoll Nr. 181) die Aufnahme der Eisenbahnverbindung Engadin – Vinschgau lediglich als Projekt B in ein mögliches Realisierungsprogramm.

2012 beurteilte die Regierung in ihrer Botschaft an den Grossen Rat die Bahnverbindung Engadin – Vinschgau als ein verkehrstechnisches interessantes Projekt (S.823), wobei sie den volkswirtschaftlichen Nutzen als bescheiden erachtete. Immerhin gestand sie zu, dass der Nutzen in der Betriebsphase (Ohne Investitionskosten) grösser als die Kosten für das Angebot sei.

Aufgrund der negativen Beurteilung durch die Bünder Regierung wurden die Bestrebungen des Aktionskomtess eingestellt.

2015 wurde die Landesregierung Südtirol wieder aktiv. Landeshauptmann Arno Kompatscher und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker trafen sich zu Gesprächen in Brüssel, um mögliche Finanzierungsbeiträge seitens EU für die Bahnverbindung zu besprechen. Juncker empfahl ein entsprechendes Fördergesuch einzureichen. Regierungsrat Cavigelli äusserte sich gegenüber der SP «Wenn nun aber ein erheblicher Schwung vonseiten der EU spürbar wäre, würde der Kanton das Projekt mit Sicherheit noch einmal neu beurteilen».

Am 24.8.2019 äusserte sich Landeshauptmann Arno Kompatscher gegenüber der NZZ, dass die Vinschgauer Bahn elektrifizieren werde und Südtirol die Bahn von Mals nach Scuol in die Schweiz verlängern will, d.h. als elektrisch zu betreibende Normalspurbahn. Dafür sei er auch bereit bei den Schweizern bei der Finanzierung entgegen zu kommen (Übernahme von drei Vierteln der Baukosten und der Betriebskosten). Diese Aussage bestätigte LH Kompatscher auch gegenüber der Engadiner Post.

Dies war Anlass für den St. Moritzer SVP Grossrat Mario Salis die Gunst der Stunde zu nutzen und in der Oktobersession 2019 die Regierungsrat Mario Cavigelli Fragen des Grosses Rates zu stellen, welche basierend auf einer alten Studie zu Unrecht zurückhaltend beantwortet wurden. Seither wird diese Bahnverbindung in der Bevölkerung, sei es in den Social Medias, in Blogs oder in direkten Gesprächen, wieder intensiv diskutiert.

Im September 2020 unterschrieben die Regierungsmitglieder aus Südtirol, Tirol, Graubünden und der Lombardei eine Absichtserklärung und haben sich in Graun darauf verständigt, die grenzüberschreitende Mobilität, insbesondere den Schienenverkehr, zu verbessern.

 

Gemäss dem Bündner Regierungsvizepräsidenten Mario Cavigelli wird mit der Umsetzung der Absicht eine wertvolle Plattform geschaffen, um sich über die Bedürfnisse und Entwicklungen im öffentlichen Verkehr grenzüberschreitend auszutauschen mit dem Ziel, die Transportketten und Umsteigebeziehungen zwischen den verschiedenen ÖV-Systemen der vier Anrainerregionen im Interesse von Bevölkerung und Wirtschaft bestmöglich abzustimmen, und zwar bei der Planung von neuen grossen Verkehrsprojekten ebenso wie bei der Optimierung von kurzfristig umsetzbaren Verkehrsangeboten.

 

Eine Fachleutegruppe wird mit November 2020 an der Umsetzung des Projekts starten und dabei von einem Lenkungsausschuss aus Regierungsvertretenden der vier Länder begleitet. Sie wird sich dabei an einem Arbeitsprogramm für eine Bahnverbindung Terra Raetica orientieren, auf das sich die vier Länder ebenfalls heute geeinigt haben. So gilt es Korridore und Orte festzulegen, die angebunden werden müssen. Technische Anforderungen sind zu definieren und flankierende Maßnahmen zu planen. Der Vorsitz im Lenkungsausschuss wechselt jährlich von Land zu Land.

>> Medienmitteilung Terra Raetica - Vier Länder für eine verbesserte Mobililät

>>Absichtserklärung Kanton Graubünden

In der Dezembersession 2020 reichte die SVP Grossrätin Valérie Favre Accola einen >>parlamentarischen Auftrag betreffend Verbindung Vinschgauerbahn – Rhätische Bahn mit 68 Mitunterzeichner*innen ein.

In der Februarsession 2021 nutzt SP Grossrätin Franziska Preisig, Mitglied der KUVE, die parlamentarische Fragestunde um ihre Fragen  betreffend der internationalen Bahnverbindung Scuol-Mals einzureichen. Zudem wurden in Zusammenhang der grenzüberschreitenden Mobilität zwei Anfragen bezüglich Ausbau der RhB-Linien eingereicht: SVP Anfrage "Aufnahme des Strassenteils des Vereinatunnels in das Nationalstrassennetz zwecks Finanzierung des Ausbaus des Autoverlad-Teils mittels Strassengeldern" und Anfrage der Grossrätin Valérie Favre Accola, Martin Bettinaglio und Thomas  Gort bezüglich Ausbau der RhB Prättigauer Linie.

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